Wie Phönix aus der Asche 
vier Frauen zeigen ihre Stärken

 

Erstmals gastierte die BunteBühne.ch mit der Bühnenproduktion im Schlachthaus Herzogenbuchsee. 

 

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Aufführungsdaten:

  • Freitag,   11.3.2016 / 19.30 Uhr  
  • Samstag, 12.3.2016 / 19.30 Uhr    
  • Sonntag, 13.3.2016 / 17.00 Uhr    

 

 

Artikel Oberaargauer
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Projektbeschrieb

In einer ersten Phase werden Interviews geführt und die Erzählenden dabei gefilmt. Daraus wird das Konzept in Puzzleform mit Text-, Musik- und Filmkollagen entwickelt. Ab Sommer 2015 werden die Schauspieler eingebunden. Ihre Aufgabe besteht darin, sich mit Sorgfalt und Sensibilität in die portraitierten Menschen und deren Situationen einzufühlen, um das Erlebte so stimmig wie möglich wieder zu geben.

 

Vier authentische Lebensberichte schenken dem Theaterstück „Wie Phönix aus der Asche“ seine Grundlage. Mosaikartig werden Auszüge aus den Erzählungen zu einem Ganzen zusammengesetzt: teils von Schauspielern dargestellt, teils als Hörspiel oder mit Fotografien und Filmdokumenten gezeigt. Musik, die in engem Bezug zu den Personen und ihrem Erlebten steht, lässt die Geschichten berührender wirken.

 

Die Lebensläufe der befragten Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein; entsprechend gross ist die Vielfalt ihrer Themen. Gemeinsam ist ihnen, neben dem geographischen Bezug zur Region, dass sie alle Krisensituationen gemeistert haben, ohne daran zu zerbrechen. Das Stück stellt die Fragen nach entscheidenden Begegnungen und Wendepunkten im Leben, welche die Menschen geprägt haben, aber auch nach den Ressourcen, die ihnen geholfen haben, Schweres zu verarbeiten.

In einer ersten Phase werden Interviews geführt und die Erzählenden dabei gefilmt. Daraus wird das Konzept in Puzzleform mit Text-, Musik- und Filmkollagen entwickelt. Ab Sommer 2015 werden die Schauspieler eingebunden. Ihre Aufgabe besteht darin, sich mit Sorgfalt und Sensibilität in die portraitierten Menschen und deren Situationen einzufühlen, um das Erlebte so stimmig wie möglich wieder zu geben.

 

Zur Darstellung der verschiedenen Lebensphasen in den Biographien werden alle Altersstufen auf der Bühne vertreten sein. Das Schauspielensemble wird aus Menschen mit und ohne Behinderung bestehen. Eine besondere Aufgabe, die sich der Verein BunteBühne.ch stellt, ist die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen. Da eine der erzählenden Frauen Mutter von Zwillingen mit Trisomie 21 ist, werden an dieser Produktion zwei Schauspieler mit Trisomie 21 beteiligt sein. Geprobt wird an fünfzehn Samstagvormittagen und an einem Probewochenende.

Passende Kostüme und Requisiten unterstreichen die Echtheit des Sprungs in damalige Kindheits- und Jugendzeiten. Recherchiert wird mit Hilfe von Fotografien der Erzählenden, deren Beschreibungen und mit anderem Bildmaterial aus den entsprechenden Zeiten. Das Bühnenbild besteht im Wesentlichen aus wechselnden Hintergrundbildern, die nur den Rahmen des Spielorts zeigen. Dies erlaubt der Fantasie des Zuschauers die jeweiligen Spielstätten assoziativ zu ergänzen. Das Thema des Rahmens durchzieht das Stück als roter Faden: der zu enge Rahmen, aus dem Rahmen fallen, einen neuen Rahmen suchen…

Entscheidend für das Unterfangen sind Sorgfalt und Respekt im Umgang mit den Biographien. Die breitgefächerten Themen, mit denen diese Frauen konfrontiert wurden, sind sozial und politisch aktuell und brisant: Zur Sprache kommen u.a. die Heilung von Brustkrebs, das Alleinerziehen von Kindern mit Behinderung, das plötzliche Auftauchen von Panikattacken, das Spüren der eigenen Grenzen und Bedürfnisse, sowie das Leben in der Schweiz als Ausländerin.

 

Die BunteBühne.ch ist religiös und politisch unabhängig. Mit dieser Produktion werden nur Botschaften und Überzeugungen vermittelt, die direkt an die Aussagen der befragten Personen gebunden sind. Im Zentrum stehen die individuellen Mittel zur Annahme und Überwindung von Leiden. Die vier Lebensbeschriebe sind gerade in dieser Hinsicht ein starkes Zeichen dafür, wie trotz sehr schwieriger Lebensumstände Hoffnung und Kraft entstehen kann.

 

Darüber hinaus wird die Frage nach der Bedeutung des Frauseins heutzutage in der Schweiz gestellt. Die verschiedenen Alter der befragten Erzählerinnen erlauben auch hier eine spannende Analyse dieser Entwicklungen im letzten halben Jahrhundert:

·     Die Konfrontation mit dem Thema Brustkrebs ist heutzutage sowohl für die betroffene Frau wie auch von der Akzeptanz der Gesellschaft und der medizinischen Entwicklung her völlig anders als 1971.

·     Die Themen Behinderung und pränatale Diagnostik befinden sich in einem rasanten Wandel. Zunehmend schwindet die früher selbstverständliche Einstellung, ein Kind sei gottgegeben, so wie es ist, und die Eltern hätten sich in ihr Schicksal zu fügen. Dagegen besagt der heutige Tenor, es sei alles Menschenmögliche zu unternehmen, um die Natur in die gewünschte Richtung zu lenken.

 

Ein grosser Dank gebührt den Frauen, die den Mut aufbringen, ihre Biographien mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen der Öffentlichkeit preiszugeben. Sie schenken ihr Vertrauen und ermöglichen dadurch diesen kreativen Prozess.

 

Drei Aufführungen finden am 11.3, 12.3 und 13.3.2016 im alten Schlachthaus in Herzogenbuchsee statt. In wechselnden Rollen werden dreizehn Schauspieler verschiedene Stationen aus dem Leben der vier Frauen darstellen. Maximal sind nur fünf Personen gleichzeitig auf der Bühne zu sehen. Dies ermöglicht es, eine zum Inhalt passende intime Stimmung aufkommen zu lassen.

 

Bis dahin haben die Spieler einen gemeinsamen Weg zurückgelegt, bei dem ein Gefühl von Teamgeist und starker Verbundenheit entstanden ist.

Wir hoffen, dass es gelingt, diese Verbundenheit nach aussen zu tragen. Die Einblicke in diese vier Frauenschicksale sollen beim Publikum Hoffnung, Kraft, Mut und Freude auslösen und damit auch eigene Ressourcen erschliessen.

 

Januar 2015 / Kathrin Oplatka, künstlerische Leitung BunteBühne.ch